Süsser die Glocken...
11. Dez 2025,

Falls die Glocken süsser klingen, wie brachial schallt es dann aus der Guetzli-Dose? Wir, die Gruppe der Homo Sapiens sind gut gerüstet und ausgerüstet. Unsere Sinne bilden ein sechsköpfiges Team. Wie, fünf? Ja, fünf plus einer macht bekanntlich sechs und hoffentlich auch Sinn.
Wollen wir die Reihenfolge der Sinne mal kurz durchgehen, bevor die Pferde dasselbe tun? Also durchgehen. Dann wird meine Frage ebenfalls Sinn machen, wieso die Glocken speziell zu Weihnachten sich eines anderen Sinnes bedienen.
Doch nun erstmal der Reihe nach.
Die beiden Klunker in den Augenhöhlen saugen täglich Milliarden von Eindrücken auf und beklagen sich kaum. Die Augen sind wie Bücher: Sie werden morgens aufgeschlagen, um seitenweise den neuen Tag zu begutachten. Ohne diese allererste Sichtung morgens um Sieben würde die Welt nicht zwingend als “in Ordnung” empfunden.
Gleich anschliessend tauchen die ersten Wellen auf, die bis obenhin mit Schall gefüllt sind. Sie branden an die Ohren und bringen das Innenleben derselbigen in Schwingung. Deshalb sind musikbegabte Menschen etwas beschwingter unterwegs. Wie mit den Augen sind auch die Ohren paarweise an beiden Seiten des Menschen angebracht. Denn niemand kann genau sagen, woher der Schall mitsamt der Welle kommt.
“Den kann ich nicht riechen.” wird als Satz und als Empfindung erst möglich, weil die Nase geradeaus zeigt und mit beiden Öffnungen alles reinzieht, das auf den ersten Geruch nach Luft schmeckt. Weil die Naseweis ist, kann sie auch Gefahren wie Feuer, verdorbenes Essen und toxische Menschen am Geruch erkennen. Oftmals riecht sie sich intensiv zu Liebschaften, die anfangs ebenfalls attraktiv riechen können.
Menschen legen meistens grossen Wert auf Geschmack. Das nennt sich Lifestyle oder einfacher Lebenshaltung. Wer Geschmack auf und in der Zunge hat, hat mehr Spass beim Essen. Das Leben schmeckt oder eben nicht. Und da wären wir wieder bei den Glocken und ihren klingenden Süsse. Klar?
Tasten sind nicht nur Teil von Klavier und Keyboard, sondern die Abteilung für Fingerspitzengefühl. Die Tastorgane sind hochkomplex mit Nervenenden bestückt, damit sie intensive Messungen wie Temperatur, Druck und Schmerz erkennen können. Sie tasten sich durch die vielen Zustände dieser drei Aggregate.
Wie viele Sinne sind es bisher? Fünf? Aha.
Hey, hiergeblieben! Da kommt noch einer.
Der sechste Sinn wirkt etwas abgehoben. Denn ihn gibt es nur als komplizierte Wortverbindung. Sein Name ist “Propriozeption”. Nun wird auch klar, weshalb er in der Kommunikation kaum erwähnt wird. Dieser Fremdgänger hat jedoch eine faszinierende Eigenschaft sich mit der Bewegung des Körpers in einem Raum zu beschäftigen. Nein, es ist kein Fremdkörper, sondern unser eigener. Dabei bedient er sich bei den anderen Körperbestandteilen. Durch sogenannte Rezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken holt er sich ständig das Feedback über die Haltung des Körpers und wie er sich orientiert.
So, meine Damen und Herren, vielen Dank für die sinnreiche Aufmerksamkeit.
Wo waren wir? Ach ja, dieser uralte, traditionelle Satz über weihnachtliche Glocken, die ihren Klang mit Zuckerguss versehen haben. Irgendwann zwischen 1816 und 1890, also im Neunzehnten Jahrhundert, da hat sich ein Theologe in der Sprache verirrt. Der Mann hiess Friedrich Wilhelm Kritzinger. Er wollte die weihnachtliche Zeit mit einer Mischung aus Hoffnung, Frieden und sogar mit Freude füllen. Ergo setzte er sich hin und begann Wörter auf Papier zu kritzeln. Stundenlanges Kritzeln zog sich über Wochen hin.
Bis zu jenem einen, verheerenden Moment, als er den Titel “Süsser die Glocken nie klingen” betrachtete.
“Ja, das ist es. Das wird ein Klassiker!” kritzelte er gleich daneben.
Der Mann hatte recht. Was den Klassiker anbelangt.
Doch sprachlich ist dies ein sinnenreicher Fehltritt.

