Fältig
18. Feb 2026,

Es gibt Wörter, die vor allem bei den weiblichen Mitgliedern der Weltgemeinschaft schlecht ankommen. Wörter, die von den männlichen Teilnehmern niemals – nochmal: NIEMALS – im richtigen Leben ohne Überlegung in die Welt gepustet werden sollten.
Das Wort heisst: Falten.
Damit ist nicht der Faltenrock gemeint. Das wäre ja noch irgendwie in Ordnung. Aber die Falten auch nur andeutungsweise mit der körperlichen Erscheinung zu verbinden?
Eine mindestens tödliche Falle. Wobei „tödlich“ hier auf die Beziehung zum anderen – oder gleichen – Geschlecht bezogen ist.
Vor allem die weiblichen Mitglieder der Spezies Homo sapiens wurden und werden immer noch auf ihre Erscheinung reduziert. Natürlich sind solche Bewertungen eine klare Reduktion des Gesamtbildes.
Wer hat eigentlich damit begonnen, bei den Damen stets das Körperliche in den Vordergrund zu schieben?
Eine etwas einfältige (!) Eingebung – die bis heute wirkt.
Zum Glück hat die Evolution für Abwechslung gesorgt: eine riesige Palette an unterschiedlichen, differenzierten Varianten.
Diese Vielfalt wird deshalb Reichtum genannt. Wer will schon eine eintönige, kaum unterscheidbare und damit langweilige Ansammlung von Menschen und Tieren? Wirklich spannend wird es erst im Unterschied – da hat Langeweile keine Chance.
Wie stressvoll muss es sein, wenn Menschen stets im besten Licht, im wertvollsten Make-Up und im formschönsten Körper erscheinen müssen? Holy smokes – welcher Mann würde sich in einer solchen Mühle aus Erwartungen wohl bewähren?
Und dann taucht irgendwann dieser halbe Kreis mit voller Wirkung ins Sichtfeld: der Lebenszyklus.
Sprich: der Prozess des Alterns.
Ein Prozess, den wir schlussendlich alle verlieren. Manche nehmen diesen Verlust wörtlich, andere mit Humor, viele mit Verzweiflung oder Fatalismus – doch treffen wird er uns alle.
Nun, wo um Himmelswillen bleibt die Wissenschaft, um uns eine Lösung zu bieten?
Anti-Aging, Lebenshaltung, Lifestyle – und millionenfache lukrative Offerten für ein „besseres Leben“?
Aha.
Wie haben die Marketingleute eigentlich herausgefunden, was ich als besseres Leben betrachte?
Und was heisst „besser“ überhaupt?
War mein Leben bisher nicht gut genug? Für wen ist dieses „besser“ gedacht? Für mich – oder für meine Mitwelt?
Das ist eine verzwickte Sache mit den eigenen und fremden Erwartungen.
Verdammt stressig, wenn die Uhr tickt – und die Falten sich entfalten.
STOPP!
Wie funktioniert das eigentlich mit den Ansprüchen an mich selbst?
Ah ja – dazu gehört meine Vielfältigkeit, vermute ich mal.
Ich bin für die Falten im Rock des Lebens zuständig. Manche kann ich beeinflussen, andere entstehen auf natürliche Weise.
Falten sind keineswegs negativ oder unattraktiv. Denke ich immer wieder, wenn ich die Gesichter von Keith, Mick und Ronnie sehe.
Ja, genau: die Gesichter des Rock‘n‘Roll und der Rolling Stones.
Die Spuren des Lebens zeigen Persönlichkeit. Die Gesichter sind die Landkarte des Lebenszyklus.
Und der wurde hart erarbeitet.
Intensiv gelebt.
Nicht nur bei den Stones.
Was bleibt nach diesem seltsamen Exkurs?
Die Vielfältigkeit – gegen die Einfältigkeit?
Yes.
