Do Mi No
19. Feb 2026,

Domino an sich kennt keine Effekthascherei. Denn Domino ist der Effekt – wenn Dinge ins Fallen geraten. Es braucht nur einen einzigen Stein des Anstosses, und schon beginnt die Mauer zu fallen. Dazu braucht es eigentlich nur eine kleine Konstruktion, gewürzt mit Fantasie, um ein formschönes, in gleichen Abständen errichtetes Gebilde zu bauen. Der Domino-Effekt fällt in einen freien Fall.
Kanada hat durch seinen Premierminister Mark Carney auf der Weltbühne effektiv Domino gespielt.
Nun, das war keine Spielerei, sondern bitterer Ernst – für manche Grossmacht bitterer als erwartet.
Und wer hat's gefunden? Davos. In der Schweiz. Die Rede von Premierminister Mark Carney.
Seine Diagnose einer zerbrochenen Weltordnung ist zwar korrekt, wurde aber bisher kaum so klar ausgesprochen.
Der Grund für das Scheitern einer weltweiten politischen und wirtschaftlichen Ordnung liegt bei den grossen Mächten.
Bisherige Partner in Sachen Kooperation haben sich kurzerhand zu Ex-Partnern erklärt.
Doch Mark Carney beliess es nicht bei der Diagnose – er öffnete einige Türchen, die bisher kaum sichtbar waren.
Zum ersten Mal in der modernen Weltpolitik ermunterte ein Politiker die mittleren und kleineren Staaten, sich einer moralisch orientierten Gemeinschaft anzuschliessen. Damit meinte Carney ethische Prinzipien wie Freiheit, Gerechtigkeit und Umweltschutz. Hoppla – solche Prinzipien überragen die sonst üblichen, ökonomisch getriebenen Motive von Staaten.
Bitte was?
Das riecht nach einer mittleren Revolution im politischen Gefüge der Weltmächte. Denn in Davos, und auch danach, bot die kanadische Führung konkrete Alternativen an – statt sich einer Grossmacht zu beugen.
Alte Strukturen für Finanzen, Handel und Soziales sind nicht mehr in Marmor gemeisselt.
Wie süss klingt ein Plan für mittelgrosse und kleine Staaten, ums sich ausserhalb der US-Dollar-Zone bewegen zu können?
Leise, aber deutlich verweist Carney auf „shop local", wenn er Werte in regionalen Märkten schöpfen und fördern will.
Wie die Geschichte der Menschheit immer wieder zeigt, haben Gemeinschaften – Communities als Ganzes – eine beeindruckende Machtfülle zu bieten. Und genau dieses Argument wirkt für kleinere und mittlere Staaten mehr als nur reizvoll. Die Abhängigkeit von Grossmächten ist kein wünschenswertes Ziel – deshalb erscheint das Sich-Loslösen davon zunehmend verlockender.
Der erste Dominostein hat soeben zu wackeln begonnen.
Ach, so einfach geht das also? Nein, tut es nicht!
Auch wenn das Angebot lukrativ und verlockend ist – die Kehrseite mit ihren geopolitischen Risiken gehört mit ins Paket.
Konflikte zwischen bestehenden Grossmächten und den entstehenden Blöcken mittlerer und kleinerer Staaten sind eine logisch mögliche Folge. Drohende Handelskriege und diplomatische Konfrontationen könnten das Pulverfass des Militärs zum Überlaufen bringen. Und wie geht das aus, wenn der Funke das Pulver findet?
Dennoch ist Kanadas Angebot für eine neue Orientierung in der Weltpolitik mehr als nur verlockend. Vor allem wird es dann konkret, sobald sich diese neue Ordnung als stabil erweist.
Ich meine: Wer kann ernsthaft Einwände gegen eine gerechtere, stabilere, chancenreichere und umweltbewusstere Weltordnung haben?
Ach, solche Einwände gibt es?
Na, wenn das kein Grund ist, genau diese Alternative in die Realität umzusetzen – was dann?
Let’s Do Mi No, eh?
