Zweck Los.

22. Feb 2026,

Zweck Los.
Zweck Los.

Ein hingeworfenes Wort muss sich ganz schön elend fühlen. Bevor es in die Tiefe fiel, da war es ein Wort mit Bedeutung, mit Sinn — und erfüllte eine Aufgabe im System der Sprache. Doch dann meinte ein Nutzer der Sprache, der Begriff hätte hier nichts zu suchen.

An sich eine völlig sinnlose Ansicht, denn ein Wort sucht nicht, es wird gefunden. Oder manchmal eben nicht. 

Nun, das Wort „zwecklos" ist sich durchaus bewusst, dass es eher in der negativen, verneinenden Ecke angesiedelt ist. 
Zu seiner Verteidigung gilt, dass sich kein Wort irgendeine Ecke je aussucht. Die Bedeutung an sich wird von der Rhetorik und den Anwender:innen definiert.

Zwecklos? 

In der modernen Gesellschaft wird Effizienz oft als höchstes Gut betrachtet. Alles muss einen Zweck haben, alles muss einen messbaren Nutzen bringen. Falls der Begriff zwecklos ins Spiel kommt, dann gilt eine Tätigkeit oder eine sonstige Sache als sündige Verschwendung. 

Der Zweck fehlt, ergo fehlt die Berechtigung, sich in der Gesellschaft zu behaupten.
Behaupten manche Gesellschafter.

Ui, das liest sich happig. Oder gar zwecklos.
Nur mal in die Runde gefragt: Wie oft sind exzellente Ideen und Projekte entstanden, weil jemand sich nicht mit einem Zweck, sondern mit dem Tagträumen beschäftigt hat? Spielerisch entstehen oft bessere und vor allem überraschendere Situationen, als wenn sich der Geist mit einer Sache zweckbestimmt befasst.

Oder wenn diese leidige Bemerkung „Der Zweck heiligt die Mittel." in den leeren Raum geworfen wird.

Ja, ich mag zweckbefreite Beschäftigungen wie Vor-sich-hindösen oder das Betrachten der Mitwelt. 
Wie oft läuft das Unterbewusstsein auf Hochtouren, ohne dass die Besitzerin oder der Besitzer dies bemerkt. 

Plötzlich schiesst der Körper hoch, weil ein blitzartiger Gedanke sich in die entspannte Atmosphäre eingeklinkt hat.
Kürzlich besuchte ich mehrmals meinen Freund Phil im Spital. Er liegt dort seit bald fünf Wochen, weil ihn eine Infektion dorthin gebracht hat. Phil ist 99 Jahre alt und verbringt die meiste Zeit des Tages schlafend.
Das scheint mir verständlich, wenn ich seine Biographie als Dokumentarfilmer und Kameramann in über 40 Konflikten betrachte. 

Und ja, 99 Lebensjahre sind ermüdend.

Dennoch sitze ich gerne an seinem Bett, rede mit Phil, der mit geschlossenen Augen und tiefen Atemzügen vor mir liegt.

Zwecklos? 
Gute Frage.
Gute Frage? 

Ich weiss nicht, ob meine Anwesenheit für Phil einen Zweck erfüllt. 
Der Besuch erfüllt einen Zweck für mich. Ja, da bin ich entfesselt egoistisch. 
Ich unterhielt mich stets gerne mit Phil. 
Nun jetzt ist die Unterhaltung — sprachlich gesehen — eher einseitig.
Vielleicht dringt dennoch das eine oder andere Wort zu Phil durch.
Aber falls nicht — dann ist das eben so.

Zweck hin. Zweck her. Punkt.

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