Kalte Schulter

24. Feb 2026,

Kalte Schulter
Kalte Schulter

„Sie zeigt ihm die kalte Schulter." Ach ja? Wenn er ein Gentleman ist, dann legt er seine Jacke über ihre Schulter. Wenn. Oder wenn dieselbe Schulter noch immer kalt ist, dann wäre wahrscheinlich eine ehrliche Bitte um Entschuldigung angesagt. Nein, nicht bei der Schulter. Bei der Besitzerin derselben.

Schultern sind eine komplexe und wichtige Sache. 

Lösungen in ihren Ansätzen beginnen sich zu bewegen, wenn sie geschultert werden. 

Sorgenvolle Menschen sind erleichtert, wenn ihnen eine Schulter zum Anlehnen angeboten wird. Dasselbe gilt für Rucksäcke und Arbeitslasten. 

Schultern runter, Rücken gestrafft und Hintern zusammengepresst – und schon wirkt jede Figur etwas figürlicher.

So eine Schulter ist eine extrem nützliche und gute Erfindung. Sie ist dreiteilig aufgebaut, um sich dermassen gut bewähren zu können. Eine propere, gut trainierte Schulter besteht aus dem Humerus, der Scapula und der Clavicula. 

Ja, das liest sich wie die Künstlernamen eines Kammertrios. Bei der Übersetzung verlieren sie etwas an Eleganz und Musikalität. Humerus wird als Oberarmknochen definiert, Scapula als das Schulterblatt und schliesslich bildet die Clavicula das Schlüsselbein – mit einem unüberhörbar musikalischen Unterton. Oder so ähnlich.

Wenn sich Schultern hier und da mal entschliessen sollten, sich so richtig hängen zu lassen, dann ist beim Besitzer oder bei der Besitzerin einiges im Argen. Schultern sind nicht fürs Hängen gemacht, sie gehören eher der Funktion der Tragenden an. 
Und dies tun sie meistens auch in exzellenter und starker Form.

So richtig attraktiv werden beide Schultern, wenn sie sich frei fühlen und auch frei bewegen. 
Die Mode-Industrie hat dies sofort eingesehen und die schulterfreie Modelinie eingeführt. Wobei dieser Ausdruck irreführend ist. Denn ärmellose Kleidung ist nicht frei von Schultern. Im Gegenteil. Sie betont die Anwesenheit der Schulterpartie in besonderer Weise. Männer zeigen in Ärmellosen ihre mehr oder weniger ausgeprägte Muskulatur. 
Frauen hingegen lassen ihre Schultern aktiv attraktiver wirken. Und auch eleganter oder verletzlicher.

Doch das Wundersame der weiblichen Schulter ist deren wechselnde Temperatur. 

Sie zeigt deutlich und unmissverständlich, wenn sie als kalte Schulter auftritt. 
Sie wirkt abweisend, als wäre sie mit einer grellen Neonschrift «kalt» bestückt.

Diese visuellen Emotionen lassen sich durch diese wundersame, global wirkende Körpersprache bedienen. Eine Sprache, die weder eine Übersetzung noch eine Erklärung braucht. 

Kalt ist kalt. 
Schulter ist Schulter. 
Doch im Duett sind sie eindeutig. Abweisend. Oder eben nicht.

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