Dumbo im Raum

24. Mär 2026,

Dumbo im Raum
Dumbo im Raum

Was passiert, wenn niemand den Elefanten im Raum ansprechen will? CanaChris beleuchtet die Kraft einer Metapher.

Ja, Dumbo ist ein Elefant. 
Und Dumbo ist in voller Grösse im Raum präsent. 
Und niemand „sieht“ Dumbo. 

„Der Elefant im Raum“ ist eine sogenannte Metapher. 
Also eine bildhaft dargestellte Situation, in der Offensichtliches – ein Elefant im Raum zum Beispiel – nicht angesprochen wird. 
Nicht diskutiert werden soll. 

Häh?

Jedes Kind würde doch sofort mit dem Finger auf Dumbo zeigen, wenn es das Ungetüm im Zimmer stehen sähe. 
Ja, Kinder tun sowas. 
Doch die Erwachsenen, also die Menschen mit den Möglichkeiten des erweiterten Denkens und Handelns, die werden tunlichst vermeiden, auch nur einen kleinen Blick auf Dumbo zu riskieren.

Die Angst ist zu gross und grau, von einem oder mehreren Konflikten belästigt zu werden. 
Oder noch schlimmer, den Konflikt anzudeuten. 

Gut, manche im Raum Anwesenden sind es gewohnt, aus Respekt oder Rücksicht ein Thema nicht anzusprechen. 

Weitere Elefantenverweigerer wollen die Realität von Dumbo im Raum nicht akzeptieren.

WOW. 
Was so eine Metaphorik alles bewirken kann, ist doch erstaunlich.

Hat sich eigentlich schon mal jemand der Anwesenden gefragt, wie sich Dumbo dabei fühlt? 
Ein Elefant ist es gewohnt, dass seine Präsenz mindestens zur Kenntnis genommen wird. 
Und oftmals von „Aaah“ und „Oooh“ untermalt wird. 
Doch das völlige Ignorieren der grauen Eminenzen ist erstaunlich. 
Dumbos Gefühle scheinen niemanden zu interessieren.

Wer schon mal an einer Party in einer Ecke stand und sich wunderte, weshalb sich niemand für einen interessierte – so muss sich Dumbo fühlen. 
Es bleibt zu hoffen, dass Dumbo niemals erfährt, dass er in der realen Welt nur als Metapher gehandelt wird.

Und wer weiss, vielleicht tut es Dumbo sogar enorm gut, wenn er direkt angesprochen wird. 
Und damit die Probleme, die mit ihm – oder ihr – verbunden sind. 

Allenfalls weiss Dumbo gar nicht, dass er ein problematischer Elefant ist. 
Eventuell ist Dumbo seit Jahrzehnten der Illusion erlegen, dass er der am meisten geliebte, wunderschöne, sympathische, ehrliche und offene Elefant der ganzen Welt sei.

Ach wirklich, Dumbo?

Rein physisch wäre das durchaus zu verstehen, wenn Dumbo meistens nur sich selbst sieht. 
Oder sich im Wege steht. 

Seine Präsenz ist in Pfund oder Kilos sehr beachtlich. 
Zudem hat sich bisher kaum jemand daran gestört, dass Dumbo überall, jederzeit und meistens ungefragt seine Meinung herumrüsselt. 
Dumbo wird wahrscheinlich auch nicht bemerken, wenn er mit seinen klobigen Beinen und Füssen auf den Gefühlen anderer herumtrampelt. 
Denn er sieht nur Start A und Ziel B vor Augen. 
Und seine Augen sind proportional sehr klein.

Und genau hier wird Dumbo von der Metaphorik getäuscht. 
Niemand sagt ihm deutlich und unmissverständlich, was genau Sache ist. 
Wo er falsch liegt. 
Wo er sich unfair verhält.

Vielleicht würde sich Dumbo in seinem Verhalten anpassen, wenn jemand den Mut der klaren Worte aufbringen würde. 
Vielleicht.
Doch solange der riesige Graue da im Raum steht und von niemandem belästigt wird, ist eine Änderung völlig undenkbar. 

Warum? 
Weil Dumbo von nichts weiss. 
Von wenig eine Ahnung hat. 
Und von seiner grauenhaften Grösse völlig eingenommen ist.
Und Dumbo hat 79 Jahre auf dem grauen Buckel. 

„Hey du da! Ja, Dumbo, du bist gemeint.“

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