King Charles auf Resozialisierungsreise?

03. Apr 2026,

King Charles auf Resozialisierungsreise?
King Charles auf Resozialisierungsreise?

Hmm. Also gut. Fangen wir mit einer kleinen Denksportaufgabe an. Stell dir vor: Du bist Mitglied eines altehrwürdigen Clubs. Ein Mitglied – nennen wir ihn Onkel Andrew – wird aus dem Club ausgeschlossen, weil er mit einem gewissen Jeffrey Epstein befreundet war. Verständlich. Peinlich. Raus damit.

Jetzt stell dir vor, derselbe Club schickt seinen Vorsitzenden auf eine Staatsvisite zu einem Mann, der 34 Mal wegen Verbrechens verurteilt wurde, der wegen sexuellen Missbrauchs haftbar ist, und der – ach ja – selbst im Orbit dieses Epstein-Universums kreiste. Aber dieser Mann ist kein Onkel Andrew. 
Er ist der Präsident der Vereinigten Staaten.

Willkommen in der wunderbaren Welt der Resozialisierung von Staatsoberhäuptern.

Vom 27. bis zum 30. April 2026 besucht König Charles III. den aktuellen Präsidenten der USA in Washington. 
Er spricht vor dem Kongress. 
Er sitzt beim Staatsbankett. 
Er lächelt für die Kameras. 
Nichts. 
Kein Widerspruch. 
Kein Runzeln der royalen Stirn.

Und Kanada? Kanada schaut zu.

Das ist nämlich das Kleine, Feine – oder je nach Stimmung das Absurde, Irre – an der kanadischen Verfassung: King Charles ist nicht nur das Oberhaupt des Vereinigten Königreichs. 
Er ist auch das Staatsoberhaupt Kanadas. 
Unser Staatsoberhaupt. 
Das heisst: Was er tut, tut er – zumindest symbolisch – auch in unserem Namen.

Und wir wurden nicht gefragt.

Nicht einmal ein bisschen.

«The King is above politics», sagt der Palast. 
Aha. 
Interessant. 
Besonders interessant, nachdem der US Präsident öffentlich behauptet hat, dass King Charles seinen planlosen Iran-Krieg unterstütze. 
Der Palast dementierte natürlich prompt. 
Aber das Dementi kam leise, fast flüsternd. 
Trumps Behauptung dagegen – laut, laut, ganz laut.

Wer beim Tango führt, bestimmt die Richtung.

Jetzt könnte man sagen: Ach, das ist doch alles nur Zeremonie. 
Hübscher Hut, schöne Kutsche, steifes Lächeln. 
Harmloses Brauchtum. 
Kann man so sehen.

Aber Symbole sind nicht harmlos. 
Symbole sagen: Wer ist wichtig. 
Wer wird geehrt. 
Wessen Komfort hat Vorrang. 
Und wenn das Symbol an der Spitze Kanadas nach Washington fliegt, um einem Mann mit Strafregister und Epstein-Nähe zu schmeicheln, dann sagt dieses Symbol etwas sehr Deutliches.

Es sagt: Der Club wirkt seltsam.

Und damit taucht die alte Frage auf: «Will ich einem Club angehören, der mich als Mitglied akzeptiert?»

Ich lebe in Newmarket, Ontario. Und wenn ich an Monarchie denke – was ich zugegebenermassen nicht täglich tue – dann erinnere ich mich zuerst an die wunderbare Zeremonie für meine kanadische Staatsbürgerschaft und den Eid auf König Charles III.

Ich denke auch an das alte Cottage am See. 
Die meisten kanadischen Familien kennen so ein Ding. 
Man erbt es. 
Man liebt es ein bisschen. 
Man repariert das Dach. 
Irgendwann steht man davor und denkt: Eigentlich wäre es an der Zeit, dass man das Ding... vielleicht...

Der Moment, in dem das Cottage nicht mehr gemütlich ist, sondern anstössig – nicht weil es alt ist, sondern weil es nicht mehr passt. Weil die Welt um es herum eine andere geworden ist.

König Charles reist nach Washington. 
Er wird eine gute Figur machen. 
Er wird charmant sein. 
Er wird „above politics“ bleiben.

Und Kanada? 
Kanada kämpft gerade mit Handelskriegen, Souveränitätsfragen, Allianz-Neujustierungen. 
Kanada braucht eine aussenpolitische Stimme, die für Kanada spricht.

Stattdessen haben wir einen König.
Der nach Washington fliegt.
Für die Briten.

Wird Charles als Resozialisierer erfolgreich sein, damit der US-Präsident wieder in die normale Gesellschaft zurückkehren kann? Vielleicht.

Hmm. Das alte Cottage.
Vielleicht wird es Zeit…

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