Intel Ligenz
20. Nov 2025,

Braucht Intelligenz einen Doktortitel? Oder reicht es, einfach einfallsreich zu sein, um Lösungen zu finden? Oh ja – da klaffen grosse Lücken in unserer Gesellschaft, sobald es darum geht, Intelligenz zu beurteilen.
Wer intelligent ist, scheint zweitrangig. Zuerst sollten wir fragen:
Was ist Intelligenz überhaupt?
Akademisch gebildete Menschen verstehen naturwissenschaftliche, medizinische, juristische oder philosophische Zusammenhänge oft besser als andere – soweit so klar.
Doch Intelligenz ist weder erklärt noch auf akademische Zirkel beschränkt.
Das zeigt sich schon, wenn man die offizielle Definition unter die private Lupe nimmt:
“Intelligenz kann definiert werden als die Fähigkeit eines Individuums, zu denken, zu verstehen, zu lernen und sich an die Umgebung anzupassen, indem es Wissen anwendet und rationale Entscheidungen trifft. Es gibt verschiedene Theorien und Modelle, die versuchen, Intelligenz zu erklären und zu klassifizieren.”
Interessant: In diesen beiden Sätzen steht kein Wort über Schulen oder Universitäten.
Denn Denken braucht kein Diplom und keine Lizenz.
Es braucht nur die Fähigkeit, Perspektiven zu wechseln und Muster zu erkennen sowie Neues zu erschaffen.
Wenn sich die Synapsen zum täglichen Clubtreffen einfinden, geht’s rund im meist ovalen Schädel.
Da wird überlegt, verworfen, neu gedacht, wieder verworfen, neu kombiniert –
bis schliesslich ein Prototyp des Gedankens entsteht.
Besonders spannend wird’s, wenn keine Barrieren den Weg blockieren.
Wenn also die Schere im Kopf Pause macht.
Dann hat die Intelligenz die Chance, in neue Sphären zu schiessen.
Klar: völlige Gedankenfreiheit wäre gefährlich.
Ethik, Moral und Gesetz bilden Grenzen – und das ist gut so.
Denn ein „intelligent geplanter Mord“ oder ein „intelligent gemachter Putsch“
sind keine Errungenschaften, sondern Abgründe.
Jetzt aber, so scheint’s, sind wir befreit:
Künstliche Intelligenz ist da.
Diese mechanische, scheinbar objektive Form des Denkens lässt unser eigenes
Gehirn in die Hängematte sinken.
Ein WLAN-Signal genügt – und schon beginnt ChatGPT oder ein anderes KI-Wunderwerk zu „denken“.
Server surren, Daten rasen, und Sekunden später blinkt eine Antwort auf dem Bildschirm.
Beeindruckend.
Und ein ziemlich beunruhigend.
Befreit sein vom Denken – was für eine seltsame Erleichterung soll das sein?
Ich mag es, wenn meine Synapsen Überstunden machen,
wenn Ideen wachsen, sich verheddern, wieder aufstehen und Neues gebären –
ohne WLAN, ohne ChatGPT, ohne Steckdose.
Kreativität entsteht dort, wo Gedanken stolpern dürfen.
Die Bezeichnung „künstliche Intelligenz“ ist ohnehin paradox.
Denn Intelligenz bedeutet, Dinge zu verknüpfen –
aber auch, Neues zu erschaffen.
KI verknüpft, doch sie erschafft nicht im menschlichen Sinn.
Sie kennt keine Neugier, keinen Zweifel, keinen Zufall,
und schon gar keine Empathie.
Ja, KI kann Diagnosen präzisieren, Datenfluten sortieren und Muster erkennen –
besser, schneller, präziser als wir.
Aber Entscheidungen über Leben, Tod oder Politik?
Nein, danke.
Denn bei aller Bewunderung für diese Rechenwunder gilt:
KI kann keine Menschlichkeit simulieren.
Und ohne Menschlichkeit ist Intelligenz nichts weiter als kalte Logik.
Zu künstlich.
Zu clever.
Zu verzichten.
