Faszi Nation

03. Jan 2026,

Faszi Nation
Faszi Nation

Wenn Anziehung kraftvoll wird, Begeisterung sich in die Höhe schwingt oder Interesse in die Tiefe geht – und wenn sich die Begeisterung dabei noch intensiviert –, dann ist die Faszination in voller Grösse aktiv.

Der Begriff Faszination ist weder gut noch böse, weder gerecht noch kriminell.
Er beschreibt schlicht eine Erregung in Kopf und Herz beim Betrachten eines Objekts.
Und wie das geteilte Wort bereits andeutet: Faszination erreicht eine ganze Nation – oder gar Nationen.

Kein Wunder, denn der erste Nährboden für die Faszi Nation lag im Lateinischen bereit, um die Welt zu erobern: fascinatio.
Und das bedeutet nichts anderes als „bezaubern“ – oder noch besser: „verhexen“.
Man lerne aus dem grossen Latinum: Faszination war bei den alten Römern ursprünglich negativ belegt.
Das hat sich grundlegend geändert. Sorry, Cäsar.

Die Neugier macht Überstunden, und das Verlangen, das Unbekannte zu erkunden, läuft auf Hochtouren.
Das ist eine hervorragende Gefühlslage, um Dingen auf den Grund, aber nicht auf den Leim zu gehen.
Wer sich der Faszination hingibt, wird sich mit dem Ursprung dieses Gefühls intensiv und ausdauernd beschäftigen.
Denn Neugier ist eine starke Kraft – und der Lohn des Dranbleibens ist nicht nur Erkenntnis, sondern ein Lustgewinn des Geistes.
Ich wünschte, ich wäre in meiner Jugend vom Lernen ebenso fasziniert gewesen, wie ich es als älterer Mann geworden bin.
Naja.

Das Grundprinzip der Faszination wirkt breit und offen.
Die Welt der Kunst und Kultur bietet eine riesige Palette an Faszinierendem, denn Künstler:innen sind bekanntlich in ihrem Schaffen grenzenlos – oder zumindest grenzüberschreitend.
Faszinierend.

Auch die Gilde der Wissenschaft wird von Neugier getrieben und von Faszination befeuert.
Ohne diese beiden Kräfte wäre der Motor der Wissenschaft längst ins Stottern geraten.

Wer sich von einem tief kitschig wirkenden Sonnenuntergang nicht erwärmen lässt, wird mit Faszination wenig anfangen können.
Und wer sich dem Charisma eines George Clooney oder einer Taylor Swift nicht hingibt, kennt sie ebenfalls nicht – die Faszination, meine ich.

Sie ist die Fähigkeit, andere zu begeistern oder selbst begeisternd zu werden – und sie ist ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Erfahrung.
Faszination macht das Leben eindeutig reicher und vielfältiger.

Doch eines der düsteren, mystischeren Objekte menschlicher Faszination ist der Tod.

Wenn plötzlich ein Leben endet, wenn die Zukunft eines Menschen abrupt gestoppt wird, sind wir erschüttert.
Obwohl wir den Lebenszyklus kennen, bleibt der Tod eine kaum fassbare Tragödie.

Der unendlich tragische und unfassbare Brand in Crans-Montana hat das Leben vieler sehr junger Menschen ausgelöscht oder zumindest sie schwer verletzt.
Viele schweben noch in Lebensgefahr.

Beim Durchforsten der Nachrichten aus der Schweiz und der Welt stiess ich irgendwann auf Kommentare – ja, diese Kommentare, die in den zunehmend asozialen Medien ihr Unwesen treiben.
Die gaffenden Geiferer des Internets, die alles und jedes mit ihren Meinungen und Urteilen belästigen müssen.

Ich stellte mir vor, wie sich die Mütter, Väter und Geschwister in Crans-Montana fühlen müssen, wenn sie ein Kind in dieser Katastrophe verloren haben.
Oder wie sie warten, bis ihr Kind identifiziert werden kann.

Und dann stolpern sie über solche Absonderungen fremder Meinungen.
Wie fühlen sich diese Leidenden, wenn sie diffamierende oder gefühllose Schuldzuweisungen lesen, die unreflektiert in die Öffentlichkeit gepustet werden?

Gerade jetzt ist wieder eine andere Regung des Homo sapiens gefragt: Mitgefühl und Menschlichkeit. Punkt.
Und bestimmt nicht die Faszination an Tragik, Katastrophe und Tod.

2026 – ein Jahr der Liebe, der Empathie und der Gemeinschaft – wäre doch mal ein faszinierendes Projekt.
Let’s go, People.

0Noch keine Kommentare

Ihr Kommentar
Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Ähnliche Beiträge