Glaub Würdig.
10. Nov 2025,

Glaubwürdig. Ach sieh mal an: ein Zweisitzer. Glaubwürdig ist trennbar in Glaube und Würde. Das würde ich tun – glaube ich zumindest.
Doch die Kombination beider Substantive zu einem einzigen Attribut ist faszinierend. Wenn sich zwei Worte wie diese zusammenschliessen, dann sind sie im Doppelpack gleich viermal so stark.
Ach ja? Woher kommt denn diese wilde Theorie?
Na, von mir.
Glaubwürdig ist nicht ganz so stark wie vertrauenswürdig, aber beide weisen in dieselbe Richtung. Und beide zusammen erzeugen dieses wohlige Gefühl, auf der richtigen Seite des eigenen Charakters zu stehen. Oder zu sitzen.
Wer glaubwürdig seine Vertrauenswürdigkeit ins Spiel bringen kann, der hat einige Asse – nicht nur im Ärmel. Denn eines der fragilsten Attribute bei Menschen und anderen Tieren ist das Vertrauen.
Jemand vertraut einem anderen Menschen, ohne dessen Handlungen ständig zu hinterfragen oder auf der Vertrauenswaage zu prüfen.
Man vertraut einfach. Ohne Netz. Ohne Sicherheitslinie.
Wow.
Welch eine Leistung, dass Vertrauen ein solches Fundament im menschlichen Miteinander bilden kann.
Glaubwürdig.
Jemand glaubt, dass das Gegenüber würdig ist, dieses Vertrauen zu verdienen.
Aha. Das heisst: Würde ist keine Garantie, sondern muss verdient werden.
Das erklärt das Fragile an beiden Doppelwörtern.
Wer hat nicht schon erlebt, dass der Mensch nebenan dem Glauben an seine Persönlichkeit nicht würdig war?
Vertrauensbruch!
Oh verflixt. Dieser Riss ist nicht nur schmerzhaft, sondern kaum zu kitten.
Wie bei einem Knochenbruch bleibt nach der Heilung eine gewisse Wetterfühligkeit. Der Bruch mag verheilt sein – die Narben bleiben als Geschenk.
Die Sensoren für den nächsten möglichen Bruch sind danach hochsensibel eingestellt.
Blindes Vertrauen ist romantisch, aber selten praxistauglich.
Dennoch: Wenn jemand als würdig befunden wird, ihm oder ihr zu glauben, dann ist das keine religiöse Handlung, sondern ein Zeichen von – na eben – Vertrauen.
Man vertraut darauf, dass das Gegenüber ehrlich ist.
Man vertraut darauf, dass der Partner verlässlich bleibt.
Man vertraut darauf, dass der Freund für einen einsteht.
Man vertraut darauf, dass der Mensch nebenan im Notfall hilft.
Wenn das keine würdevolle Referenz an die Glaubhaftigkeit des Humanismus ist – was dann?
Die ersten und ehrlichsten Beweise von Glaubwürdigkeit zeigen Babys und kleine Kinder gegenüber ihren Eltern, Familien und Freunden.
Sie vertrauen – nicht rational, sondern fühlend – darauf, dass Mama und Papa sie füttern, behüten, beschützen und begleiten.
Kinder sind die ersten und reinsten Würde-Verteiler in unserem Leben.
Glaubwürdig – das ist ein faszinierendes und kostbares Wort.
Ich will es nicht nur glauben.
Ich will es leben.
