Gruppen Dynamik
11. Nov 2025,

„Gesucht: dynamische, fokussierte Persönlichkeit für die Leitung der …“ Dynamisch und Persönlichkeit? Wen oder was will dieses Unternehmen da eigentlich einstellen? Dynamik klingt energisch, kraftvoll, nach Bewegung. Doch was genau bewegt sich da am Ende?
Nun, die Wissenschaft hat auch bei dieser Disziplin ihre ganz spezifischen Begriffe gefunden, um einfache Dinge etwas komplizierter zu erklären – oder auch nicht.
In eben dieser Wissenschaft wird die Dynamik in Kinematik und Kinetik aufgeteilt.
Die Kinematiker beobachten und analysieren die Bewegung an sich. Und siehe da: Es fehlt etwas – nämlich die Erklärung, warum sich etwas entlang einer geraden oder gekrümmten Linie bewegt.
Dafür sind dann die Kinetiker zuständig.
Das Volk der Kinetiker ist enorm motiviert, entlang Isaac Newtons Gesetze der klassischen Mechanik Antworten zu finden. Sie untersuchen die Gesetze der Trägheit, der Beschleunigung und schliesslich das Gesetz der Wechselwirkung.
Die Kinetiker scheinen also wirklich ziemlich dynamisch unterwegs zu sein.
Wenn Bewegung sozial wird
Was passiert nun, wenn sich eine Gruppe von Lebewesen – Menschen oder andere Tiere – der Dynamik bedient?
Wenn sich also eine Masse von Leuten mal kurz vom Gesetz der Trägheit verabschiedet, um sich mit der Beschleunigung zu befassen?
Ja, das kann ein Formel-1-Team sein. Oder einfach Menschen, die etwas bewegen wollen.
Sie beginnen mit sich selbst, werden Mitglied im Fitnessclub oder kümmern sich dynamisch um Probleme in der Gesellschaft.
Ich kannte Isaac Newton nicht – und keiner meiner Freund:innen ist, soweit ich weiss, Kinetiker:in oder Kinematiker:in.
Aber ich sehe Bewegung in allen Ecken und Enden.
Die Dynamik des menschlichen Handelns zum Beispiel wirkt ansteckend – eine positive und gesunde Ansteckung für die Entwicklung der Menschheit.
Das Beschleunigungsgesetz entfaltet sich besonders in Gruppen, wenn sie einem Ziel folgen.
Während der Pandemie 2020 etwa war die Dynamik der Nachbarschaftshilfe rasant und beeindruckend.
Oder als ein Mädchen in Schweden die Bewohner:innen des erhitzten Planeten aufrüttelte – und plötzlich Millionen Menschen auf die Strasse gingen, um Antworten und Aktivismus von ihren Regierungen zu fordern.
Isaac Newton wäre beeindruckt gewesen, was sein Gesetz ans Tageslicht gebracht hat. Wahrscheinlich.
Von der Evolution bis zum Jetzt
Wer je Teil einer Gruppe war, die gemeinsam an etwas arbeitet, kennt dieses Gefühl:
Plötzlich entstehen Ideen, Vorschläge, Visionen – eine kreative Kettenreaktion.
Viele Köpfe gebären tausend Gedanken.
Die Evolution hat beim Basteln am Homo Sapiens gute Arbeit geleistet – sie liess sich nur etwas Zeit damit.
Dynamik der Beschleunigung war und ist nicht ihre grösste Stärke.
Aber die Ergebnisse sind beeindruckend: Erfindungsgeist, Neugier, Kreativität.
Ein wirklich guter Geist war da am Werk.
Seit Beginn dieses langen Jahres – ja, es ist genauso lang wie das vorige – hat sich weltweit eine rasante Dynamik entfaltet: Bewegungen, die die Mechanik des Verstehens übersteigen.
Ereignisse, die früher als unvorstellbar galten, haben sich ins normale Leben geschoben.
Dynamische Trennungen zwischen Gruppen, getrieben von Ideologien, rasen längst auf Formel 2-Tempo.
Oh la la – welch dystopisches Schauspiel.
Vom Zuschauen zum Mitmachen
Doch irgendwann kippt das Verhältnis von Trägheit zu Beschleunigung, wenn zu viel wechselseitige Dynamik auf uns einprasselt.
Wären wir bloss Beobachter der Gegenwart, sässen wir vermutlich im Sessel – mit offenem Mund und einem Staunen, das nie endet.
Aber das Sitzen ist vorbei.
Wir sind längst Teilnehmende.
Wir sind Kinetiker:innen, nicht Zuschauer:innen.
Also – beschleunigen wir doch mal unsere Kreativität.
Gründen wir Gruppen.
Viele Gruppen mit enormer Dynamik.
Das hält die Welt am Laufen.
Und uns auch.
