Grazie, Justizia

14. Nov 2025,

Grazie, Justizia
Grazie, Justizia

Das Wort Justiz trägt schwer. Ein Wort mit Gewicht, Ernst und Konsequenzen – und alles andere als leicht anzuwenden. Wer in die Mühlen der Justiz gerät, wird entweder die Kosten seiner Taten bezahlen oder eine Portion Gerechtigkeit erfahren.

Romane und Filme über das Rechtssystem sind faszinierend – und nervenaufreibend.
Der Weg bis zum eigentlichen Prozess ist ein gigantisches Unterfangen: Aktenberge, Verhöre, Beweisaufnahme, akribische Detektivarbeit.
Im Buch liest sich das spannend.
In der Realität geht es aber nicht um Romanfiguren, sondern um echte Menschen – mit echten Schicksalen.

Lady Justice und ihre Last

Die Figur der Justizia – die Frau mit Waage, Schwert und verbundenen Augen – ist ein Meisterwerk symbolischer Darstellung.
Die Römer nutzten ihre mythologische Fantasie, um das Rechtssystem verständlich zu bebildern:

Die Waage steht für das sorgfältige Abwägen von Beweisen.

Die verbundenen Augen für Unparteilichkeit – dafür, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich behandelt werden sollen.

Das Schwert schließlich symbolisiert die Macht – und die Schwere – richterlicher Entscheidungen.

Wow.
Diese Dame hat wirklich einiges auf den Schultern zu tragen.

Das Recht – Garant der Sicherheit

Das Rechtssystem selbst hat sich viel vorgenommen:
Es soll die Welt gerechter machen.

Wer in einer Gesellschaft lebt und arbeitet, möchte sich darin sicher fühlen.
Das korrekte Anwenden von Gesetzen ist Teil dieser Sicherheit – und Aufgabe der Justiz.
Ihre goldene Grundlage sind die Menschenrechte: die Garantie individueller Freiheit, Würde und Gleichbehandlung.

Wenn diese Rechte in Konflikt geraten, vertrauen Bürger darauf, dass Justizia einen fairen Job macht.

Doch dann ist da noch die Sache mit der Macht.
Präsidenten oder Premierminister tragen gewaltige Verantwortung – und ebenso große Versuchungen.
Auch Parlamente sind mit Machtpaketen ausgestattet, und Macht hat die Tendenz, sich selbst zu vermehren.
Demokratie hingegen ist langsam, kompliziert, manchmal frustrierend – für Ungeduldige eine Zumutung.
Darum braucht es Justizia als Kontrollinstanz:
Sie prüft, begrenzt und mahnt, wenn Macht übergriffig wird.

Recht haben – Recht bekommen

„Recht haben und Recht bekommen sind zwei Paar Schuhe.“
So spricht der Volksmund.

Dieser Satz fällt oft, wenn ein Urteil nicht den Erwartungen entspricht.
Er deutet auf ein Grundproblem hin: die Spannung zwischen subjektiver Gerechtigkeit und objektivem Recht.

Wenn Richter, Geschworene und Beisitzer ein Urteil fällen, ist das keine Gefühlsentscheidung.
Jedes Urteil wird mit einer langen, juristisch präzisen Begründung versehen – gewachsen aus Paragrafen, Präzedenzfällen und Beweisen.

Wer je selbst in einem Gerichtssaal saß – nicht als Zuschauer – weiß, was das bedeutet.
Viele Verfahren ziehen sich über Jahre, nicht weil Anwälte sie verzögern,
sondern weil Wahrheit Zeit braucht.
Ein Kriminalfall ist selten klar, oft verworren, manchmal voller Lücken.
Und trotzdem erwartet man ein Urteil.

Kein Wunder also, dass Justizia ihre Augenbinde manchmal auch gegen Kopfschmerzen trägt.

Trotz aller Kritik ist es beruhigend zu wissen,
dass das System der Justiz in den meisten Ländern existiert –
und funktioniert.

Denn die Verlässlichkeit von Recht und Menschenwürde
lässt den Homo sapiens ruhig atmen.
Und manchmal sogar gut schlafen.

Grazie, Justizia.

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