Das ist meine Meinung. Punkt.
03. Dez 2025,

Bereits im Wort selbst steckt das Individuelle per se: Mein. In diesem kleinen Wort Meinung stecken so viele Aspekte, dass einem fast schwindlig wird. Eine Meinung ist ein Lego-Bausatz der menschlichen Kommunikation.
Die roten Steine stehen für Ansichten,
die blauen für Überzeugungen,
die gelben für Erfahrungen aller Art,
die grünen für Wissen
und die pinkfarbenen – natürlich – für Emotionen.
Welch faszinierende Palette an Möglichkeiten, um sich eine Meinung zu basteln!
Eine Meinung ist das wacklige Fundament, auf dem Diskussionen und Debatten geführt werden.
Das funktioniert wunderbar – solange keine Fakten dazwischenfunken.
Dann wird es komplizierter, aber auch spannender.
Denn Tatsachen können eine Meinung bestätigen – oder sie im Regen stehen lassen.
Meinungen im Regen sehen trostlos aus.
Komisch wird’s, wenn die Meinung trotzig wird, nachdem sie ein paar Fakten abbekommen hat.
Dann stampft sie mit den Füsschen, zieht die Mundwinkel nach unten und schmollt.
Schmollende Meinungen sehen drollig aus.
Traurig wird’s, wenn sich eine gefasste Meinung nicht mehr fassen kann –
weil sie sich in Luft auflöst.
Ihre Besitzer wirken verunsichert:
Die ganze Mühe des Zusammenbauens – umsonst.
Sich auflösende Meinungen sehen einsam aus.
Aber keine Sorge – so schlimm ist das gar nicht.
Im Gegenteil: Woher sollten sonst neue Ideen, Perspektiven und Visionen kommen,
wenn Meinung nur auf Fakten beruhen dürfte?
Meinung ist ein Konstrukt des Denkens – und erfrischt jede Diskussion.
Wenn Menschen ihre Meinungen austauschen,
wird jede Debatte lebendiger, spannender – manchmal sogar prickelnd oder hitzig.
Und der Prozess, sich überhaupt eine Meinung zu bilden,
ist einer der inspirierendsten Momente, die ein denkendes Wesen erleben kann.
Sich orientierende Meinungen sehen attraktiv aus.
Woher kommen all die Bestandteile, um eine Meinung zu bauen?
Kurz nach dem Ende der Babyphase beginnt die Meinungsforschung:
Kinder erkunden ihr Umfeld, um sich erste eigene Ansichten zu bilden.
In der Pubertät gesellen sich Unsicherheit und kritisches Denken dazu –
und Meinungen prallen aufeinander, ohne sich zu einigen.
Gegensätzliche Meinungen sehen ärgerlich aus.
War das alles? Oh nein – da kommt noch mehr.
Medien wie Zeitung, Radio, Fernsehen und ihre digital-sozial-medialen Stiefbrüder im Internet
geben sich ebenfalls als Ausbilder von Meinungen aus.
Und natürlich Bücher – unzählige Bücher –,
die Meinungen formen, verfeinern oder komplett umwerfen.
Sich definierende Meinungen sehen verwundert aus.
Jetzt wird’s persönlich.
Eigene Erfahrungen spielen eine der Hauptrollen beim Formen einer Meinung.
Schliesslich war man ja dabei und „weiss“ Bescheid.
Erfahrung macht eine Meinung stabiler und widerstandsfähiger.
Erfahrene Meinungen sehen stark aus.
Doch die attraktivste Kraft im Bausatz „Meinung“ bleibt die Bildung.
Denn eine Meinung will gebildet sein – oder wenigstens so wirken.
Wer Wissen sammelt, macht seine Meinungen bunter, klüger und lebendiger.
Farbenfrohe Meinungen sehen attraktiv aus.
Die Evolution hat sich da einiges einfallen lassen,
damit Meinungen entstehen – und sich bilden können.
Aber das ist natürlich nur meine Meinung.
Sorry.
