„Ich weiss, dass ich nichts weiss.“

05. Dez 2025,

„Ich weiss, dass ich nichts weiss.“
„Ich weiss, dass ich nichts weiss.“

„Ich weiss, dass ich nichts weiss.“ glänzt mit vielen Bedeutungen. Und wieder sind bei dieser Erkenntnis ein paar alte, sehr alte Männer im Spiel. Sokrates soll den Satz zwar so nicht wörtlich – vor allem nicht auf Deutsch – gesagt haben, aber die Bedeutung seiner philosophischen Haltung steckt da mittendrin.

Wenn ein Denker nach vielen Jahren ausgeübter Tätigkeit zu dieser Erkenntnis kommt, dann ist dieses Lebewesen entweder schwer von Begriff oder grundsätzlich einsichtig und bescheiden.

Wer der andere – damals noch junge – Mann war?
Nun, sein Name ist Platon, ebenfalls seines Zeichens Grieche und Philosoph.
Platon steckte gleich zwischen zwei Grössen in der Denkwirtschaft:
Sokrates war sein Lehrer und Aristoteles war später sein Schüler.
Was für beeindruckende Beziehungen die Griechen zu pflegen wussten.
Platons Aufgabe, nebst dem Denken an sich, war die eines Sekretärs oder Assistenten.
Er schrieb auf, was Sokrates zum Besten gab.

Was wird sich Platon gedacht haben, als Sokrates diese Erkenntnis über die Unkenntnis verlauten liess?
„Spinnt der Alte? Wir tun doch nichts anderes, als Wissen zu erforschen, zu erkennen und zu publizieren.“

Heute, ein paar Jahrtausende später, wirkt der Satz revolutionär.
Als Sokrates beschloss, eigentlich nichts zu wissen, steigerte er das Tempo und die Tiefe, Fragen zu stellen und Antworten zu bekommen.
Oder eben nicht.
Wer fragt, deckt vieles auf – vor allem die riesigen Lücken an Wissen, die keine Antworten bieten.
War Sokrates mit diesem Prinzip der Motivator für die Wissenschaft?
Die Wissenschaft weiss zumindest, dass ihre Erkenntnisse lediglich temporäre Gültigkeit haben.
Deshalb taucht bei jeder Aussage die Präambel „Zum heutigen Stand der Wissenschaft …“ auf.
Dies lässt die notwendigen Türchen weit geöffnet, in denen neues Wissen auftauchen kann – und meistens auch wird.

Wie steht es mit meinem eigenen Wissen?
Genügt es, oder lässt sich da noch was drehen?
Oh ja – und wie.
Die Schulzeit war nur mangelhaft befähigt, mir Wissen und Denken zu übermitteln.
Als Lernmaschine zu fungieren, ist auf Dauer langweilig und frustrierend.
Es gibt schliesslich noch ein Leben nach dem Drücken der Schulbank.

Die Lust auf das Entdecken von Dingen, denen man auf den Grund – und nicht auf den Leim – gehen kann, ist enorm attraktiv.
Diese Lust hat weder mit Google noch mit KI zu tun.
Die Lustbarkeit ist für die Synapsen und das eigene Denk- und Wohlgefühl da.
Wer sich in einen Gedanken fallen lässt und diesen erkunden will, der kennt wahrscheinlich dieses leichte Prickeln im Hinterkopf, wenn eine Idee sich anbahnt.
Oder wenn eine Erkenntnis mit „Guten Abend, meine Damen und Herren“ auf die Bühne des Wissens tritt.

Dennoch: Wir wissen nichts.
Also nichts Umfassendes, sondern Fragmente allen Wissens.

Und was bleibt zu tun?
Fragen und Forschen – mit dem Wissen, dass dies nie genügen wird.
Es reicht höchstens bis zum heutigen Stand der Erkenntnis.
Doch das ist doch schon mal was.

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