Be Sinnen

07. Dez 2025,

Be Sinnen
Be Sinnen

Die Luft klirrt vor sich hin. Die Lichterketten verbreiten Wärme. Die Auslagen locken mit Glitter und Gold. Und die Leute sind erwartungsvoll.

Die Vorweihnachtszeit ist die Ausnahme unter den Jahreszeiten.
Sie generiert Freundeslisten für die zu Beschenkenden,
häuft Weihnachtspartys an, bei denen man nicht fehlen sollte,
und erinnert zugleich an jene Menschen,
die an der bunten Tafel des Weihnachtsfestes keinen Platz haben.

Der Mensch besinnt sich.

Oh là là – in diesem Wort steckt etwas Sinnvolles und leicht Feierliches,
wenn man an Besinnung und Besinnlichkeit denkt.
Sobald dieses Wort inflationär im Alltag auftaucht,
spätestens dann ist den meisten klar:
Es weihnachtet sehr.

Der Sinn ist nicht eindeutig greifbar –
begreifbar schon,
doch seine vielschichtige Anwendung lässt viele Bereiche in den Fokus rücken.
Wenn eine Handlung oder ein Teil der Menschheitsgeschichte Bedeutung haben
und einen Zweck erfüllen soll,
dann fällt diese Frage unter den Begriff Sinn.

Macht das Sinn?“ – das ist eine eher offene Frage.

Mit Besinnen geht die Wirkung viel tiefer,
denn der Begriff ist häufig mit Reflexion verbunden –
über die Welt, das eigene Leben,
über Zukunft und Vergangenheit, Angst und Hoffnung,
also über das Leben schlechthin. Oder guthin.

Doch mit dem Anwenden des Wortes Sinn
wird nicht automatisch eine Wertung vorgenommen.
Es ist nicht automatisch sinnvoll, wenn eine Entscheidung fällt.
Das Wertende findet auf anderen Gebieten statt – in Ethik oder Humanismus.

Wenn sich eine Nation für Krieg entscheidet,
kann das für einen Teil der Bevölkerung Sinn ergeben –
für die Angegriffenen eher weniger.

Wenn der Pöbler mit seiner Pöbelei Kämpfe gewinnt,
macht das lediglich für den Pöbler und seine Anhänger Sinn.
Der grosse Rest der Angepöbelten
findet diese Handlungsweise sinnlos – und bestimmt nicht weise.

Wenn Wenige viel haben und Viele wenig,
wird das Sinnvolle von den Habenden in vollen Zügen genossen.
Für die Genossen auf der anderen Seite
wirkt das eher zynisch – und inhuman.

Irgendwann hat sich der Sinn ein Präfix angehängt: Be.
Das Wort Besinnen klingt feierlich und still,
denn diese Tätigkeit geschieht meist innerlich und allein.
Dabei ist es im Grunde nur ein dringender Anruf beim Gehirn,
sich endlich eine Auslegeordnung anzuschaffen
und den Überblick zu gewinnen.

Oh ja – das ist eine mühsame Arbeit,
denn niemand weiss beim Start der Besinnung,
was einem bei sich selbst so alles begegnen wird.
Das Besinnen nimmt bei vollständiger Ausführung
keinerlei Rücksicht auf Gefühle oder Befindlichkeiten.
Schliesslich war die Anfrage klar und deutlich:
Besinne dich!

Oft endet die Zeit der Besinnung
mit friedlich-freudigem Aufatmen,
wenn man von der Reise aus dem Innersten
wieder ins Tageslicht tritt.

Es gibt keine Garantie,
dass beim Besinnen etwas Sinnvolles herauskommt –
aber das Abenteuer im Synapsendschungel
ist zu faszinierend, um es nicht zu versuchen.

Ein Hoch auf die Besinnlichkeit
während der Vor- und Weihnachtszeit.
Lassen wir uns Beisammen – und Beisinnen – sein.

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