STAG NATION
09. Dez 2025,

„Ich komm nicht mehr weiter.“ – das ist meist der erste Satz, wenn sich die Stagnation einstellt. Oder eingestellt wird.
Wenn eine Nation wirtschaftlich auf der Stelle tritt, technologisch kaum Neuerungen bietet, dann blüht die Stagnation in voller Pracht.
Gut – daran lässt sich mit Fantasie, Glück und Innovation mehr oder weniger drehen.
Doch nun wird’s persönlich.
Wenn nicht die Nation, sondern der Mensch an sich stagniert – also im Wartemodus, Stand-by oder in Erstarrung verharrt – ist das für die Betroffenen kein schöner Zustand.
Die übliche Motivation fürs eigene Tun und Lassen ist irgendwann in die Zigarettenpause verschwunden – und nicht mehr zurückgekommen.
Auch dieser Zustand ruft nach Therapie. Dringend sogar.
Das eher leise Auftreten einer Stag Nation zeigt sich in den Gedanken.
Nur schwach, sehr leise und kaum bemerkbar macht es sich die Stagnation im Denkstudio gemütlich.
Ich bemerke das bei mir selbst.
Nach einer gewissen Zeit voller Erfahrungen mit Leben und Leuten auf dem blauen Planeten wollen sich die Gedanken nicht mehr ständig mit unbequemen Fragen und Situationen beschäftigen.
Sie sind müde geworden – und fordern ihren Ruhestand ein.
Sie holen sich Unterstützung von Routine und Gewohnheit, den beiden engsten Beratern mit einer riesigen Palette an stagnierenden Möglichkeiten.
Ein Seufzen der Bequemlichkeit geht durch die Reihen der Synapsen: „Das haben wir uns redlich verdient.“
Und gut ist’s.
Moment – nicht so schnell!
Wie war das nochmal mit dem „Wer rastet, der rostet?“
Zugerostete Gedankengänge sind ziemlich schnell dem Verfall ausgeliefert.
Zudem kann man auf blitzschnelle Gedanken nicht mehr zugreifen, wenn man sie mal braucht.
Ergo: Stag Nation ist eine ziemlich schlechte Idee – und ein mieser Ratgeber.
Die Synapsen an sich finden dieses Laissez-faire auch nicht erbaulich.
Sie sind genetisch darauf trainiert, ständig unter Strom zu stehen, zu hüpfen, Neues zu generieren, Perspektiven zu entwickeln und Erinnerungen bereitzuhalten.
Ein Vollzeitjob der Extraklasse, keine Frage.
Und – das ist die Schokoladenseite der nicht vorhandenen Medaille –
Gedanken werden immer kühner und abenteuerlicher, je mehr man sie nutzt.
Auch das scheint in ihren Genen zu liegen.
Wobei „liegen“ wohl das falsche Wort für dieses Talent ist.
Stag Nation ist mir zu träge. Und trägt nichts zur Evolution bei.
