Wunsch: Denken.

17. Dez 2025,

Wunsch: Denken.
Wunsch: Denken.

Wunschdenken ist nicht nur während der Festtage ein attraktives Motiv. Ganzjährig sind Menschen unterwegs, die das Denken zur Norm erklärt haben. Warum das denn?

Natürlich ist es schlicht sensationell, dass dieser Vorgang des Denkens so populär geworden ist.
Manchmal wirkt er zwar wie eine Waschmaschine auf Ecstasy, aber immerhin – das System Denken läuft.
Vor allem aber wurde dem Denken an sich die absolute Freiheit gewährt.
Die Synapsen haben Freigang.
Im Prinzip.

Da ist lediglich ein kleiner Haken mit dem freien Denken verbunden:
Wenn aus dem Denken ganze Sätze oder gar Slogans entstehen, dann ist der Weg nicht mehr weit zur freien Meinung – und deren Äusserung in der Öffentlichkeit.
Na sieh mal an: Wie frei unsere Welt doch gestaltet ist.

Gedanken und ihre Ergebnisse brauchen frische Luft – die dem Gegenüber gern um die Ohren fliegen darf.
Manches Ohr ist offen empfänglich für geäusserte Gedanken, die in der Gegend herumschwirren.
Man weiss ja nie, ob darin nicht das eine oder andere weise Korn enthalten ist.
Falls sich jemand die Mühe macht, den Gedanken – also den kernigen – auch noch in eine interessante Geschichte zu verpacken, dem sind die Zuhörer:innen gewiss.
Menschen lieben Geschichten, wenn sie Momente des Lebens einfangen und rhetorisch attraktiv verpacken.

Manche dieser Geschichten erzählen allerdings auch von der wilden Seite des Denkens –
also vom Wunsch, Gedanken freien Lauf zu lassen, um sie anschliessend wieder einzufangen.
Ein kurzer Blick auf die Weltgeschichte der letzten hundert Jahre – oder mehr – zeigt deutlich, was aus einem Gedanken werden kann, sobald er aktiv wird.
Veröffentlichte Gedanken, ob in Schrift oder Ton, haben die Geschichte der Menschheit immer wieder verändert.
Gesellschaftlicher Umbruch oder gar Umsturz waren stets Teil der Chronik – und immer standen ein oder eintausend Gedanken dahinter.
Motto: „Damals, als ein Gedanke auf Reisen ging.

Vor tausenden von Jahren – ab heute gerechnet – lungerten Leute wie Sokrates, Platon und Aristoteles im antiken Griechenland herum und machten den ganzen Tag nur eines: Gedanken.
Um dieser Tätigkeit einen seriöseren Anstrich zu geben, nannten sie es Philosophie.
Diese Philosophen legten keine faulen Eier, sondern den Grundstein für die westliche Denktradition.
Was das Trio nicht wusste: Ihre Ideen über Ethik, Politik und Metaphysik prägen den Wunsch zu denken bis heute.

Vor rund 500 Jahren erinnerte sich ein junger Mann, dass er diese drei Typen nicht nur dem Namen nach kannte.
Immanuel Kant wurde zum grossen Bewunderer und Anwender des erwünschten Denkens.
Er arbeitete intensiv an der Kritik der reinen Vernunft und revolutionierte das Denken über Erkenntnis und Ethik.
Die moderne Philosophie hat Immanuel und seinen Gedanken viel zu verdanken.

Und dann war da einer, der lieber in den Himmel als auf den Boden schaute: Nikolaus Kopernikus.
Er machte sich Gedanken, ob die Sonne um die Erde kreist – oder eben nicht.
Er generierte daraus eine Theorie, die das geozentrische Wunschdenken gründlich erschütterte.
Daraus entstand die Ära der wissenschaftlichen Untersuchung.

Ein weiterer Denker war Charles Darwin.
Er verbrachte seine Tage mit Beobachten, Skizzen kritzeln und Nachdenken über die Entstehung der Arten.
Seine angewandte Denktechnik führte zu einem völlig neuen Verständnis biologischer Prozesse.

In Amerika lebte ein Mann namens Thomas Jefferson.
Seine Gedanken sagten ihm, dass die Gesellschaft – sprich, die Nation – neue Ideale braucht.
Sein Denken kreiste um Freiheit und Gleichheit der Menschen.
Das führte zur Unabhängigkeitserklärung – und damit zur modernen Demokratie.
Echt gute Gedanken, Thomas.

Was wäre wohl aus uns modernen Menschen geworden, hätte Tim Berners-Lee das World Wide Web nicht erfunden?
Weniger Hektik und mentale Defizite?
Mehr Zeit für Musse und Lesen?
Kann sich jemand darüber bitte Gedanken machen?
Jedenfalls hat die Einführung des WWW die Art und Weise, wie wir kommunizieren, Geschäfte machen und Informationen austauschen, radikal verändert.

Oh, Moment mal.
Ich hätte da ein paar radikale Gedanken, die an die frische Luft wollen.
Wie radikal wäre es, wenn die Menschheit sich wieder als Gemeinschaft versteht –
eine Gemeinschaft, in der jeder Mensch ein Recht und den Wunsch auf ein gerechtes, prosperierendes und erfülltes Leben hat?

Zu radikal?

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