Rest in piece.

30. Dez 2025,

Rest in piece.
Rest in piece.

Dieses Jahr ist am Ende. Völlig am Dahinsiechen, wie es aussieht. Denn es sieht ziemlich erbärmlich aus zurzeit. Die Zeit mit ihrem schiefen Zahn hat sich einiges mit 2025 geleistet.

Das Leben im Ausnahmezustand ist zwar anstrengend, aber dennoch nur eine Momentaufnahme. Der Schritt in die Zukunft ist technisch und physikalisch nicht möglich – einige Physiker behaupten sogar, er sei unmöglich. Dasselbe gilt für den Rückschritt in die Vergangenheit: Sie existiert zwar in unseren Erinnerungen und auf Bildern, doch beim Eingang steht ein Schild in roter Signalfarbe:

„Betreten auf eigene Gefahr.“

Welch sinnloser Satz! Auch dieses Zeitfenster lässt sich nicht mehr betreten – höchstens betreten in die Welt sehen lassen.
Für einige Zeitgenoss:innen mag es verlockend sein, in eine bereits bekannte Welt zurückzukehren, um in der Spirale der Wiederholungen den Rest des Lebens zu verbringen.

Also zurück zum „Das Ende ist nah“. Und mit diesem Spruch treten die üblichen Rituale auf die Bühne: Silvester ohne Stallone, aber mit Rückschau, Bedauern und der hoffnungsvollen Vorfreude auf ein jetzt schon vorbelastetes 2026.
Wie – verändert?
Nun, meine Erinnerungen an Neujahrs-Events waren immer etwas gemischt. Und sie sind es immer noch. Natürlich ist ein Fest zu Ehren der vergangenen 365 oder manchmal sogar 366 Tage eine romantisch-wehmütige Angelegenheit. Schliesslich war man ja mit dabei.

Kurz vor Mitternacht gibt es dann wohlfeile Wünsche ans neue Jahr, damit ja nichts schiefgeht.

Bevor wir nach vorn schauen, wagen wir einen Blick zurück.
Aber Vorsicht:

„Dieser Inhalt ist für Sensible, Kultanhänger, Extreme, Slogan-Verteiler und Ewig-Gestrige nicht geeignet.“

Das vergangene Jahr war heiss – viel zu heiss. Es hat sich klimatisch in die oberste Rangliste hochgekocht. Aus „Normal“ wurde „Ausnahmezustand“. Hochwasser, Waldbrände und Dürre halfen kaum, diesem Jahr etwas Gutes abzugewinnen. Immerhin steigt der Druck auf mehr Schutzmassnahmen und erneuerbare Energien.

Die COP 30 in Belém (Brasilien) braucht keine Zeile mehr – denn genau so wenig an Aktionen hat dieses teure Spektakel hervorgebracht.

Der Wandel von Demokratie zu Faschismus schleicht nicht mehr durch die Dunkelheit – er galoppiert im hellen Sonnenschein.

Hat dieses elende Jahr 2025 überhaupt etwas zustande gebracht, das sich als positiv bezeichnen lässt?
Oh ja. Mit dem Blick durch ein Mikroskop findet sich doch noch einiges.
Es regt sich nämlich etwas zum Guten – bei Politiker:innen und bei ganz normalen Menschen. Kreative Politiker schmieden neue Bündnisse, Bürger:innen werden kritischer, gehen auf die Strasse und zeigen friedlich ihren Unmut.

Die Hoffnung hat sich – noch röchelnd, aber mit etwas mehr Farbe im Gesicht – aus dem Krankenbett erhoben. Sie hat wieder ihre Strahlkraft für die berühmte Résistance, diesen charmant-läpplihaften Widerstand, in die Hand genommen.

Was ich mir für 2026 erwarte?
Nun, warten gehört sicher nicht dazu.
Dazu ist die schiefe Lage des besten Planeten in unserem Sonnensystem viel zu angeschlagen.

Neulich erlaubte ich mir einen Kurztrip in die Vergangenheit der 70er Jahre – und meine Stimmung kippte prompt ins Positive.
Bekanntlich wiederholt sich die Geschichte, wahrscheinlich mangels Fantasie der Teilnehmer:innen.

Ich erinnerte mich an die Proteste auf den Strassen. An einigen war ich dabei.
Kaiseraugst wurde ein AKW erspart,
zwei Schwarzenbach-Initiativen gegen Ausländer landeten bachab im Rhein,
und die Sit-ins auf den Tramschienen wurden zu langhaarigen, friedlichen Protesten gegen Missstände.
Selbst die Schülerproteste für die Demokratisierung des Bildungswesens hatten Klasse.

Demonstrationen sind ein wunderbares Werkzeug, um Politiker:innen massenweise auf die Finger zu klopfen. Deshalb wurde „Demo“ als unverzichtbarer Teil des Begriffes Demokratie eingebaut.

Ich bin zuversichtlich. Und gespannt auf 2026 – mit all seinen Herausforderungen.
So, jetzt geh ich mal hin und bastle an meinem Aktionsplan für die Grassroot-Bewegungen 2026 – made in Canada.

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