Spiel nicht mit den Schmuddelkindern.

25. Jan 2026,

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern.
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern.

„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern Sing nicht ihre Lieder Geh doch in die Oberstadt Mach’s wie deine Brüder.“

Franz Josef Degenhardt, seines Zeichens Jurist und Liedermacher, hat die deutsche Liedermacherszene stark geprägt.
Und dann ertönte die musikalische Ermahnung, ja nicht mit den schmutzigen, den unangepassten Kindern da unten zu spielen.
Sei bei den ordentlichen, braven und geschniegelten Kindern – und pass dich ihnen an.

Bitte was?
Was um Himmels willen meint der Autor und Sänger mit dieser „fürsorglichen“ Ermahnung?
Nun, das war keine Aufforderung zum Klassenkampf, sondern dessen Anklage.
Die Schmuddelkinder sind die Arbeiterkinder, die Armen, die Aussenseiter, die Nonkonformisten, die Aufmüpfigen – vor allem die politischen – und alle, die nicht ins bürgerliche Ordnungssystem passen.
Häng nicht mit denen da rum, mein Sohn“, war eine meiner frühen väterlich geäusserten Mahnungen.

Die Anpassung als Attribut war eine der grundsätzlichen Voraussetzungen, um nicht vom Säbelzahntiger zur Vorspeise erwählt zu werden.
Wer sich anpasst, verschwindet in der Umgebung, fällt nicht auf und niemandem zum Opfer.
So in etwa lautete die Dschungelordnung des Überlebens.

Heute, im 21. Jahrhundert, scheint diese historische Regelung wieder an Gewicht zu gewinnen.
Wenn Gemeinschaften sich gegenseitig bekämpfen, statt zusammenzustehen, dann haben die Mahner gewonnen – und die Schmuddelkinder verloren.

Anpassung meint vieles, aber nicht viel Gutes.
Wo wäre die Kunst, wenn nur angepasste Künstler zugelassen würden?
Wie wäre der Zustand einer Gesellschaft, einer Nation, wenn sich alle Bürger:innen immer anpassten?
Keinerlei Kritik, keine Auffälligkeiten – lediglich Normierte und Leisetreter wären willkommen.
Nein danke.
Und willkommen in den Vereinigten Normen von Irgendwo.

Wo wäre die Menschheit heute, wenn es keine Auffälligen, 
keine hochdosierten Kreativen, keine verrückten Tüftler, ausschweifenden Autoren, 
üppigen Filmemacher, flippigen Musiker ohne Grenzen und progressiven Politiker gegeben hätte – und noch gibt?
Dystopia.

Ja, die Unangepassten sind nervig und stören die Komfortzone.
Wie lange währt der Komfort einer solchen Zone, wenn sich nichts ausserhalb der Norm bewegen liesse?
Wie wäre der Zustand des Planeten heute?
OK – das ist jetzt kein besonders gutes Beispiel.

Die Schmuddelkinder waren schon immer interessanter, spielerischer und kreativer als die Normkinder.
Das soll jetzt keine Diffamierung der Normierten sein, sondern lediglich die Hoffnung, niemanden auszugrenzen.
Vor allem dann nicht, wenn bei Debatten über Migration, Armut, Protest und Aktivismus die humanen Gedanken die Leitung übernehmen.

Wer den Dreck fürchtet,
wird nie begreifen,
wer ihn verursacht.

Lasst uns mit den Schmuddelkindern spielen.
Die Welt wird es uns danken.

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