Schweige, Minute!

31. Jan 2026,

Schweige, Minute!
Schweige, Minute!

Der Tag hat niemals genügend Minuten, um im Gedenken und in Gedanken an die Getöteten zu schweigen. Und jemandem eine stille, respektvolle Referenz zu erweisen. Schweigen ist manchmal lauter als jede Rede – oder jeder Schrei.

Sechs Minuten und zwanzig Sekunden: Schweigen. Öffentlich. Schmerzlich.
Emma Gonzalez ist eine Überlebende des Parkland-Amoklaufs.
Sie ist Aktivistin der Bewegung March for Our Lives (Marsch für unser Leben).

Am 24. März 2018 hielt Emma in Washington D.C. eine Rede.
Wobei – geredet hat sie nur kurz, als sie ihre siebzehn getöteten Mitschüler:innen einzeln erwähnte, und was diese jetzt nicht mehr tun. Nicht mehr tun können. 
Dann wurde Emma still. Für ganze, lange sechs Minuten und zwanzig Sekunden.

Das war exakt die Zeitspanne, die der Amokläufer brauchte, um diese siebzehn jungen Menschen zu erschiessen.
Emma stand auf dem Podium, schaute in die riesige Menschenmenge des Protestmarsches – und schwieg.

Nach und nach wurden alle Anwesenden still. Nachdenklich. Besinnlich. Und die Tränen rannen.
Ich hatte gerade meinen Wagen parkiert und schaute auf den kleinen Bildschirm meines Handys.
Diese sechs Minuten Stille haben sich in mein Gehirn und in mein Herz eingebrannt.
Mächtiger hätte dieser Moment nie sein können.

Eine sechsfache Schweigeminute.

Doch die Kehrseite jeder Medaille zeigt ein anderes Bild.
Die Medaille heisst Schweigen. Und Schweigen bedeutet Sicherheit.
Vermutlich.

Nein, tut es nicht.

Das Schweigen zu brechen kann in gewissen Momenten lebensgefährlich sein.
Im Iran, in Nordkorea, in Russland – und in Minnesota im Jahr 2026.
Minnesota liegt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Im Land der Freiheit und der Demokratie.
Immerhin steht das so auf dem Etikett.

Schweigen ist zum Brechen da, wenn Gerechtigkeit, Menschenwürde und Demokratie angegriffen werden.
Schweigen muss brechen, wenn Pöbler andere erpressen, bedrohen und entmündigen.

Schweigen zu brechen braucht Mut. Extrem viel Mut.
Und eine – oder einer – muss damit beginnen.

Menschen stehen auf.
Menschen protestieren.
Menschen begehren auf.
Menschen brechen das Schweigen – und die Barrikaden.
Menschen sind keine schweigende Mehrheit mehr.

Nein, dies ist keine politische Morgensplitter-Geschichte.
Ja, das ist eine menschliche Morgensplitter-Geschichte – für heute und morgen.

Schweigen stärkt die Macht der Pöbler, Tyrannen und Diktatoren.
Protestieren in Massen schwächt sie.
Der Kaiser verliert seine Kleider.

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