Wider Spenstig

15. Feb 2026,

Wider Spenstig
Wider Spenstig

Es ist erstaunlich, was diese Gruppe von Pubertierenden mit Fantasie immer wieder an den Tag legen. Ihr einziges Ziel scheint zu sein, alle Obrigkeiten in den Wahnsinn zu treiben, die ihnen über den Weg laufen. Sie sind in der Tat Puber-Tiere und werden als „Die Widerspenstigen“ in die Geschichte der Menschheit eingehen.

Glücklicherweise dauert diese Phase der Gehässigkeiten und Rebellion nicht ein ganzes Leben an. Meistens gerät sie in den Hintergrund – und damit in den Mistkübel der Entwicklung.
Was im Endeffekt oftmals keine schlechte Entwicklung ist.
Nein, nicht die Gehässigkeiten, sondern das Revoltierende am Menschen: das Aufbegehren, das Empören über Ereignisse, die nicht tolerierbar sind – oder sein sollen.
Der mit Abstand grösste Meister in der Kategorie der Widerständigen ist eindeutig der Humanismus: die Grundlage an Menschlichkeit, die rückblickend auf die widerwärtigsten Taten der Menschheit immer wieder aus den Trümmern gekrochen kam und ihre Dienste anbot.

Wie meine ich das?
Vielleicht hilft ein kleiner Blick in die Vergangenheit – mit Kriegen, Dramen und dem Zerfall ganzer Staaten und Gemeinschaften.

Beginnen wir mit Südkorea, das im 20. Jahrhundert stets zwischen Krieg, Chaos und Erneuerung taumelte. Zunächst übernahm Japan die Kolonialherrschaft, die immerhin 35 Jahre andauerte. Anschliessend wurde die koreanische Halbinsel künstlich in Nord- und Südkorea aufgeteilt. Nach einigen Kriegen und Diktaturen raffte sich Südkorea auf, schaffte ein Wirtschaftswunder, wurde zum demokratischen Staatsgebilde umgebaut und kreierte sehr kreativ die sogenannte koreanische Welle – mit K-Pop, K-Dramen und koreanischen Filmen.

Auch Deutschland hatte nach dem Krieg mit einem Wirtschaftswunder zu kämpfen, nachdem das Land am Boden lag, mauserte sich aber dann zur Vorzeigedemokratie.
Ähnlich düster sah es nach 1945 in Japan aus, das nach den Abwürfen zweier Atombomben kapitulierte. Das Land wurde demokratisiert und avancierte zu einer der grössten Volkswirtschaften der Welt.
Rwanda erlebte 1994 einen unglaublichen Völkermord, doch das Land und seine Menschen erholten sich sozial wie wirtschaftlich. Heute gilt Ruanda als eines der sichersten und saubersten Länder Afrikas.

War das alles?
Oh nein. Da wäre ja noch der Staatenverbund mit dem Kürzel USA. Auch dort waren sich Norden und Süden alles andere als einig, wie die Nation zu führen sei. Der blutigste Konflikt der amerikanischen Geschichte forderte bis zu 750.000 Tote – allein innerhalb von vier Jahren zwischen 1861 und 1865.
Anschliessend kehrte die Vernunft zurück – mit Hoffnung und Wiederaufbau im Gepäck. Die humanistisch motivierten Verfassungsänderungen sind beeindruckend: Die Sklaverei wurde offiziell abgeschafft, gleicher Schutz für alle – geborene oder naturalisierte Bürger – wurde garantiert, und Diskriminierung von Wahlberechtigten aufgrund von Rasse oder Hautfarbe verboten.

Es scheint, dass nicht nur Menschen, sondern auch Staatsgebilde manchmal eine hässliche, brutale und menschenverachtende Zeit durchleben müssen, um sich anschliessend zu besinnen und zu reformieren.

Staaten und ihre Regierungen wirken in diesen Zeiten wie ein Kind, das inbrünstig eine Sandburg baut, um sie anschliessend zu zerstören.
Sinnlos und dumm in der Ausführung, sagt die Vernunft. Wahrscheinlich.

Der Blick auf die Geschichte der Menschheit zeigt jedoch eine Konstante: den Humanismus
Er ist nicht immer präsent – manchmal schläft er, ist eingeschüchtert oder einfach abwesend. 
Doch wenn die Gelegenheit ruft, taucht er auf – frisch und ausgeruht.
Was die Geschichte ebenfalls zeigt: Menschen sind grundsätzlich gut. 
Nicht bösartig, nicht herrschsüchtig, nicht mörderisch, nicht autokratisch. 
Doch einige Menschen haben diese Botschaft scheinbar nicht erhalten.

In einer Zeit der sich anschleichenden Hoffnungslosigkeit besinne ich mich immer wieder auf diese wunderbare Eigenschaft der menschlichen Art, das humanistische Gen. 
Und jetzt, als naturalisierter Kanadier, besinne ich mich erst recht auf die „Maple-Doktrin“: Sei freundlich. Be kind.

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