T.E.A.M.
16. Feb 2026,

Keine Ahnung, ob „Teambildung“ wirklich eine Abkürzung ist. Aber wenn schon, dann vielleicht für: „Toll, ein Anderer macht’s.“ Ein bisschen Sarkasmus, viel Wahrheit. Denn wenn sich viele Köpfe zusammentun, entstehen oft effizientere, schnellere und bessere Lösungen – vorausgesetzt, sie arbeiten wirklich zusammen. Soweit der Trockenkurs.
Aber ist es nicht so: Teams bilden sich nicht nur einmal – sie bilden sich weiter?
Ja, das auch.
Wie definiert ein Lexikon das Ganze? Ein Team ist eine Gruppe von Individuen, die zusammenarbeiten, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Jedes Mitglied bringt seine Fähigkeiten und Perspektiven ein. Klingt positiv? Ist es auch.
Doch woher kommt diese Kraft der Gemeinschaft?
Ich sehe den ersten Homo sapiens eifrig nicken. Denn das Team – die Gruppe der Jäger und Sammler – hat sich gegen den viel stärkeren Neandertaler durchgesetzt. Nicht durch Muskeln, sondern durch Netzwerke, Kommunikation, Empathie. Forscher nennen es collective intentionality: die Fähigkeit, gemeinsam zu denken, zu planen, zu handeln.
Ein evolutionärer Vorteil – und der Anfang aller Teambildung.
Das Arbeiten in und mit Teams begleitet mich mein ganzes Leben. Scheinbar sind Teams überdurchschnittlich treue Begleiter.
Natürlich hat ein perfektes Team nie existiert – und wird es nie tun. Denn Perfektion ist der Killer der Kreativität.
In Teams gibt es Mitglieder, die nur halbherzig mitspielen. Es gibt Verweigerer von Zielen, Abwesende im Geiste.
Kleinere Mankos im grossen Ganzen. Doch diese kleinen Mängel haben kluge Köpfe bewogen, die Rollen im Team zu definieren.
Da ist der Leader, verantwortlich für Richtung und Vertrauen.
Der Organisator, der Struktur aus Chaos zaubert.
Der Kreative, der querdenkt, wo andere nur geradeaus schauen – oft im Kopf, manchmal auch im Flur.
Der Motivator, der Moral hochhält und Dynamik einbaut, als wäre er ein lebendiger Koffeinkick.
Und dann – ja, dann kommt der Analytiker.
Der, der Daten liebt, Fakten prüft, Fortschritte misst.
Der, der unbequeme Wahrheiten sagt.
Der, der meistens unbeliebt ist – aber unverzichtbar.
Ob ich als Neukanadier in einem Team zuhause bin?
Oh ja.
Es begann mit dem kleinen Team „the 4:30 gang“ – eine informelle von Nachbarn und Freunden in unserem ehemaligen Fabrikgebäude. Jeden Tag um 16:30 Uhr. Kein Protokoll, keine Agenda. Nur Gedanken, Geschichten, manchmal Stille.
Während der Pandemie wurde diese Gruppe unglaublich wichtig. Denn wenn Ängste, Befürchtungen und Hoffnungen besprochen werden, verlieren sie oft ihren Schrecken.
Ein Mikro-Team – aber mit Makro-Wirkung.
Doch heute ist ein anderes Team im Blick: Team Canada.
Nein, es wurde nicht von der Regierung gegründet. Kein Ministerium hat es ins Leben gerufen. Kein Logo, keine Webseite.
Team Canada hat sich selbst gezeugt – aus einer Mischung aus Stolz, Sorge und einer Prise kanadischer Selbstverständlichkeit.
Die sonst so freundlichen, hilfsbereiten Kanadier entwickelten eine mehr als walnussgrosse Abneigung gegen die Entwicklungen jenseits der Grenze.
Die Leute in den fünfzig Bundesstaaten? Wir mögen sie nach wie vor.
Freundschaften, Familien, gemeinsame Erinnerungen – sie bleiben.
Aber die Politik? Die Drohungen? Die Zölle?
Da hört die kanadische Nettigkeit auf.
Der Funke fiel im März 2025, als die US-Regierung 25 % Zölle auf kanadische Autoimporte verhängte – ein Schlag gegen eine der wichtigsten Exportindustrien.
Doch der Funke wurde zur Flamme, als Äusserungen aus Washington über Kanadas mögliche Integration als „51. Staat“ die Runde machten.
Da war es klar: Team Canada war startklar.
Und es begann leise, aber effizient.
„Made in the USA“ wurde zum Flop.
Lebensmittel, Alkohol, Streaming-Dienste – alles, was aus den USA kommt, wanderte auf die No-Go-Liste.
Reisen in die USA? „Nicht dieses Jahr“, sagt die Nachbarin. „Vielleicht nie wieder“, meint der Kollege.
Die Fluggesellschaften reagieren: Flair Airlines kürzt seine Kapazität in Richtung USA um fast 60 %. Air Canada um 7 %.
An der Grenze? Duty-free-Shops berichten von 80 % Umsatzeinbruch.
Die Wirtschaft spürt es – auf beiden Seiten.
Aber Team Canada ist nicht Anti-Amerika.
Es ist Anti-Annexion.
Anti-Autokratie.
Anti-Unfreundlichkeit.
Es ist pro-kanadische Souveränität.
Pro-demokratische Werte.
Pro-Menschenwürde.
Die Mitgliedschaft? Kostenlos.
Aber nicht folgenlos.
Für die amerikanische Wirtschaft zumindest.
Und neben den Abwehrmassnahmen wächst etwas anderes: die friedliche Seite des Widerstands.
Kanadier:innen unterstützen sich gegenseitig – moralisch, praktisch, wirtschaftlich.
„Buy Canadian“ wird zum Mantra.
Lokale Produkte, regionale Dienstleistungen, nationale Solidarität – das ist die neue Kraft.
Denn in den aktuellen politischen Zeiten kann sich der bestehende Frieden mal kurz oder länger verabschieden.
Und dann ist ein Team Canada mit Widerstandskraft gefragt.
